
Die Reparatur der elektronischen Steuergeräte (ECUs) wird immer schnellstmöglich durchgeführt, um für eine hohe Fahrzeugverfügbarkeit zu sorgen.
Mit ESB REMAN (ECU Simulation Bench) bündeln Knorr-Bremse und Cojali ihre Kompetenzen und schaffen einen europaweit verfügbaren Reparaturservice für elektronische Steuergeräte (ECUs). Wie Diagnose, industrielle Aufbereitung und ein starkes Aftermarket-Netzwerk dabei zusammenspielen – und warum Reparieren jetzt eine echte Alternative ist.
Moderne Nutzfahrzeuge sind hochgradig elektronisch geprägt. Fallen elektronische Steuergeräte aus, steht oft das gesamte Fahrzeug. Für Werkstätten und Flottenbetreiber bedeutete das längere Zeit: Austausch statt Reparatur. Doch neue ECUs sind teuer und teilweise schwer verfügbar. Reparieren wird damit zur echten Alternative – wenn es schnell, zuverlässig und in industrieller Qualität funktioniert. ESB REMAN von Knorr-Bremse und Cojali folgt dabei einem klaren Prinzip: Verstehen. Reparieren. Rückliefern.
Katrin Gienger, Director Sales IAM EMEA bei Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge, sieht Knorr-Bremse mit der von Cojali entwickelten Servicelösung weit vorne im Markt: „Wir sind die Ersten, die einen EU-weit verfügbaren, industriell abgesicherten Reparaturservice von über 1.100 verschiedenen Nutzfahrzeug-ECUs anbieten und konsequent in ein bestehendes Aftermarket-Ecosystem für Nutzfahrzeuge integrieren. Während vergleichbare Angebote bislang meist regional begrenzt waren, schaffen wir mit ESB REMAN eine flächendeckende Lösung.“

Wir sind die Ersten, die einen EU-weit verfügbaren, industriell abgesicherten Reparaturservice von über 1.100 verschiedenen Nutzfahrzeug-ECUs anbieten und konsequent in ein bestehendes Aftermarket-Ecosystem für Nutzfahrzeuge integrieren
Katrin Gienger – Director Sales IAM EMEA, Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge
Basis hierfür sei die enge Zusammenarbeit mit Cojali, der spanische Spezialist für Diagnose- und Konnektivitätssysteme für Nutzfahrzeuge, an dem Knorr-Bremse einen Mehrheitsanteil hält, betont Gienger: „Knorr-Bremse und Cojali haben ihre Kompetenzen gebündelt: Cojali treibt Diagnostik, Konnektivität und Elektronik-Reparatur-Know-how voran, Knorr-Bremse skaliert Prozesse, Qualität und Netzwerk.“ Beide Unternehmen sammelten bereits im Projekt Knorr-Bremse Diagnostics positive Erfahrungen. Jetzt folgt mit ESB REMAN der nächste Schritt. Die gemeinsam umgesetzte Lösung senkt Wartungskosten und Ausfallzeiten für Flotten und eröffnet allen Werkstätten neue Serviceoptionen – von freien Betrieben ebenso wie OE-Vertragswerkstätten. Gleichzeitig zahlt ESB REMAN auf Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft ein.
Verstehen – Diagnose als Voraussetzung jeder Reparatur
„Für Cojali ist ESB REMAN ein Herzensprojekt. Als Diagnosespezialisten haben wir über die iberische Halbinsel, Frankreich und Italien hinaus bereits gezeigt, dass die Reparatur von Steuergeräten technisch machbar, wirtschaftlich sinnvoll und im Markt akzeptiert ist“, unterstreicht Ana Muñoz, Key Account Director Parts Engineering bei Cojali. „Jetzt bringen wir dieses Know-how gezielt in den ersten und entscheidenden Prozessschritt ein: die eindeutige Identifikation der Fehlerursache.“

Für Cojali ist ESB REMAN ein Herzensprojekt. Als Diagnosespezialisten haben wir bereits gezeigt, dass die Reparatur von Steuergeräten technisch machbar, wirtschaftlich sinnvoll und im Markt akzeptiert ist.
Ana Muñoz – Key Account Director Parts Engineering, Cojali
Zentrales Werkzeug ist dabei die Jaltest ESB (ECU Simulation Bench) in Kombination mit der Jaltest Diagnosesoftware. Beide Lösungen wurden von Cojali in Spanien entwickelt und hergestellt. Die eingehende ECU wird zunächst geprüft und analysiert. Zusätzlich zu allgemeinen Fehlercodes lassen sich Auffälligkeiten exakt einzelnen Komponenten innerhalb der Steuereinheit zuordnen.

Gloria Alberca, Marketing und Operations Management bei Cojali, kennt alle Entwicklungsdetails von ESB REMAN: „In dieser leistungsfähigen Diagnostik, Fehlerbehebung und auch Simulation von Einsatzumgebungen der ECU steckt das Know-how aus 15 Jahren Entwicklung. Erst wenn wir wissen, welches Bauteil oder welches Teil der Platine betroffen ist – welche Leiterbahn, welcher Chip oder welcher Mikrocontroller –, wird eine gezielte Reparatur überhaupt möglich. Damit schafft diese präzise Eingangsdiagnose die Grundlage für effektive und qualitativ hochwertige Reparaturen, die im Vergleich zu neuen, teureren und langsamer gelieferten Steuergeräten eine zunehmend gefragte Alternative darstellen.“

Eine präzise Eingangsdiagnose schafft die Grundlage für effektive und qualitativ hochwertige Reparaturen. Industriell aufbereitete Produkte sind heute im Vergleich zu neuen, teureren Steuergeräten mit längeren Lieferzeiten eine zunehmend gefragte Alternative.
Gloria Alberca – Marketing und Operations Management, Cojali
Erst kürzlich wurde Cojali für Jaltest ESB in der Kategorie Innovation und digitale Transformation bei der ersten Ausgabe der spanischen Industrieawards "Bien hecho en España" ausgezeichnet. Der spanische König Felipe VI. überreichte die Auszeichnung im Euskalduna-Palast in Bilbao. Gloria Alberca nahm den Preis stellvertretend für Cojali entgegen.
Reparieren – Professionelle Aufbereitung für Elektronik
Neben hoher Fahrzeugverfügbarkeit ist Nachhaltigkeit eine zentrale Kundenanforderungen bei ECU-Reparaturen. Jede instand gesetzte Steuereinheit vermeidet Elektroschrott und schont Ressourcen. Gleichzeitig zählt für Werkstätten und Flotten vor allem eines: Wie schnell ist das Fahrzeug wieder einsatzbereit?
Knorr-Bremse nutzt für ESB REMAN seine Prozesserfahrung in der industriellen Aufbereitung von Produkten. Thomas Meyer, Global Director Product Group Reman, Reuse, Repair bei Knorr-Bremse: “Aufbauend auf unserem Remanufacturing-Know-how aus dem EconX®-Portfolio haben wir einen standardisierten, qualitätsgesicherten Reparaturprozess für ECUs entwickelt. Das Ergebnis ist kein ‚repariertes Altteil‘, sondern ein professionell aufbereitetes Produkt mit definierten, neuwertigen Qualitätsstandards.

Die Elektronikreparatur beinhaltet dabei eine Präzisionsarbeit auf Bauteilebene, die in dieser Tiefe nur wenige beherrschen. Thomas Meyer: „Wir können einzelne Komponenten auf der Leiterplatte gezielt austauschen. Ist der Microcontroller betroffen, wird die bestehende Software auf das neue Bauteil übertragen. Entscheidend ist: Es wird immer genau die eingeschickte ECU repariert. Tabu sind damit Austauschgeräte, Standardsoftware oder ein Reset auf einen anderen Stand. Gerade bei unterschiedlichen Softwareversionen und Fahrzeugkonfigurationen ist das ein klarer Vorteil gegenüber klassischen Austauschlösungen.“
Meyer sieht ESB REMAN als lernendes System, das vom Zusammenspiel aus Werkstattpraxis, Technologie und Netzwerk lebt: „Bereits heute sind über tausend Reparaturanweisungen hinterlegt – und alle basieren auf realen Fehlerbildern. Jede Reparatur erweitert dabei unseren Wissenspool.“ Technologisch sieht Knorr-Bremse die Reparatur von ECUs kaum limitiert. Steuereinheiten verschiedenster Hersteller – ob für Bremsen, Motorsteuerung, Getriebe oder Dashboards – lassen sich grundsätzlich reparieren und simulieren.
Rücklieferung – das Aftermarket-Netzwerk als Enabler
Zentral für den reibungslosen Workflow des Reparatur-Konzepts ESB REMAN sind ein effizienter Buchungsprozess und ein regionales Netzwerk spezialisierter Reparaturzentren in Europa, derzeit mit Betriebsstätten in Spanien, Frankreich, Italien und Tschechien. Die kurzen Transportwege, lokalen Ansprechpartner und standardisierten Abläufe ermöglichen die schnelle Rücklieferung reparierter ECUs an die Werkstatt – ausgelegt ist der Prozess auf kurze Durchlaufzeiten von rund 36 Stunden. Insgesamt lassen sich so im regionalen Netzwerk jährlich bis zu rund 2.700 ECUs reparieren.
„ESB REMAN ist ein zusätzlicher Service für unsere Händler, den sie ihren Kunden – Werkstätten und Flotten – aktiv anbieten können“, ordnet Katrin Gienger ein und betont: „Die Distributoren bleiben dabei zentraler Bestandteil der Wertschöpfung.“ Die Werkstätten vertrauen der Performance von ESB REMAN – hier besitzen Cojali und Knorr-Bremse einen Reputationsvorsprung. Dennoch gilt es Überzeugungsarbeit bei den Werkstätten zu leisten, damit sie ihren Bestell- und Reparaturablauf auf die Plattform von ESB REMAN umstellen. Deshalb ist der Bestellprozess bewusst niedrigschwellig angelegt: Die Werkstatt gibt die OE-Referenz der ECU ein, wählt ihren bevorzugten Händler und löst den Reparaturauftrag aus. Die Abrechnung erfolgt weiterhin über den Händler.
Für Werkstätten und Flotten bringt ESB REMAN klare Benefits gegenüber dem Invest in neue ECUs: geringerer Preis, hohe Verfügbarkeit und gesteigerte Nachhaltigkeit mit einem effektiven Beitrag zur Kreislaufwirtschaft. Gienger benennt zunächst den wirtschaftlichen Nutzen: “Neue Steuergeräte kosten je nach Typ bis zu mehreren tausend Euro und sind mitunter schlecht verfügbar. Reparierte ECUs sind schneller einsatzbereit und deutlich günstiger – ein klarer Vorteil, insbesondere bei älteren Fahrzeugen und mit Blick auf die Total Cost of Ownership.“ Neben den Kosten geht es um Verfügbarkeit: „Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie fragil Lieferketten für elektronische Komponenten sind. Jede Lieferkettenkrise wirkt sich direkt auf Preis und Verfügbarkeit aus – unsere Reparatur macht davon unabhängiger.“ Darüber hinaus ist bei Werkstätten und Flotten mittlerweile ein hoher Nachhaltigkeitsanspruch tief im Mindset verankert, berichtet Gienger: „Die Reparatur mit ESB REMAN spart Ressourcen, vermeidet Elektroschrott und verlängert die Nutzungsdauer bestehender Komponenten. Werkstätten können dadurch ihr Geschäftsmodell erweitern, indem sie ihren Kunden eine wertgerechte Lösung anbieten – Reparatur statt Neuteil.“
Ausblick – gemeinsam in eine zirkuläre, digitale Zukunft
ESB REMAN bindet alle relevanten Akteure des Aftermarket-Ecosystems ein: Werkstätten, Distributoren, Flotten, Technologiepartner und Hersteller. Dabei endet dieser umfassende Anspruch von Knorr-Bremse, Elektronik nachhaltig über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu managen, nicht mit dem eigenen Angebot. Das unterstreicht Remanufacturing-Experte Meyer: „Durch das Engagement in branchenweiten Initiativen wie dem EU-Forschungsprojekt rEUman treibt Knorr-Bremse die Weiterentwicklung von Remanufacturing-Technologien und -Standards aktiv mit voran. Ziel des Projekts ist es, mit der wachsenden Digitalisierung Schritt zu halten und Reparaturfähigkeit, Effizienz und Nachhaltigkeit kontinuierlich weiterzuentwickeln.“


Durch das Engagement in branchenweiten Initiativen wie dem EU-Forschungsprojekt rEUman treibt Knorr-Bremse die Weiterentwicklung von Remanufacturing-Technologien und -Standards aktiv mit voran.
Thomas Meyer – Global Director Product Group Reman, Reuse, Repair bei Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge
Mit dieser kontinuierlichen Verbesserung industrieller Reparaturlösungen ist die Branche gerüstet für den wachsenden Elektronikanteil in Nutzfahrzeugen. ESB REMAN zeigt bereits heute, wie sich Verfügbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Kreislaufwirtschaft im Aftermarket miteinander verbinden lassen – und wie Reparieren zunehmend zu einer tragfähigen Option für die Mobilität von morgen wird.