Ein langer Personenzug fährt in der Abendsstimmung durch die kasachische Wüste.

Reisezüge für Kasachstan: Nachts komfortabel durch die Steppe

© rezoff / gettyimages

In Zusammenarbeit mit internationalen Partnern bauen die zentralasiatischen Staaten ihre Schienennetze deutlich aus. Knorr-Bremse gehört in der Region zu den festen Größen – und ist nun auch an über 500 neuen Reisezugwagen für die Kasachischen Eisenbahnen (KTŽ) beteiligt.

Das Projekt ist riesig, so viel lässt sich schon mit Blick auf die Zahlen sagen: 537 Schlaf- und Liegewagen haben die Kasachischen Eisenbahnen (KTŽ) inklusive Generatorwagen bei Stadler Rail geordert. Über mindestens 20 Jahre wird der Hersteller zudem den Service für die Fahrzeuge bereitstellen. Bei 2,3 Milliarden Euro liegt der Auftragswert, haben die Schweizer zur feierlichen Unterzeichnung vor etwas über einem Jahr mitgeteilt.

Verbindungen über lange Entfernungen

„Gerade dem Personenverkehr auf der Schiene messen die politischen Entscheidungsträger der Region spürbar steigende Priorität bei“, sagt Stanislav Knyazev, stellvertretender Geschäftsführer von Knorr-Bremse Kasachstan. „Die von KTŽ betriebenen Strecken bringen es zusammen auf eine Länge von etwa 16.000 Kilometern, gut 4.200 Kilometer davon sind elektrifiziert.“ Kein dichtes Netz wie in Europa. Aber eines, das die großen Zentren des flächenmäßig neuntgrößten Landes der Erde über lange Entfernungen verbindet – und damit auch die Pläne rund um die 537 neuen Schlaf-, Liege und Generatorwagen verdeutlicht. In nicht einmal sieben Jahren soll der letzte der Wagen die Endmontage verlassen. Knorr-Bremse steuert die Bremssysteme sowie Steuerungstechnologie (Train Control and Management Systems, TCMS) bei. Letztere ist für die Steuerung und das Management zahlreicher Subsysteme am Zug verantwortlich. Beide Systeme sind für die Temperaturspanne zwischen -50°C und +45°C ertüchtigt.

Kasachstan: transkontinentale Drehscheibe für den Schienengüterverkehr

Das Bild zeigt Asana, die Hauptstadt Kasachstans, bei Nacht.Das Bild zeigt Asana, die Hauptstadt Kasachstans, bei Nacht.
Von Kasachstans Hauptstadt Astana aus betreuen die Kasachischen Eisenbahnen (KTŽ) den gesamten zentralasiatischen Raum. | © gettyimages

Das Großprojekt ist kein Einzelfall in der Region. Gerade Kasachstan avanciert zusehends zur transkontinentalen Drehscheibe für den Schienengüterverkehr. Im Jahr 2022 eröffnete ein finnisches Logistikunternehmen eine neue Container-Route zwischen Wien über den sogenannten Mittleren Korridor und Ostasien. Der Zug startete im Chongqing in China, umfuhr Russland im Süden und endete im südfinnischen Kouvola. Dort befindet sich ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt. Ein Joint Venture von KTŽ und der nationalen georgischen Eisenbahngesellschaft Sakartwelos Rkinigsa hat mit dem Bau eines neuen Containerterminals mit Eisenbahnanschluss am georgischen Schwarzmeerhafen Poti begonnen. Zudem läuft seit vergangenem Jahr bei Chinas größtem Bahnhersteller CRRC eine Machbarkeitsstudie für eine neue Bahnverbindung, die China über Kirgistan mit Usbekistan verbinden könnte.

Lokale Präsenz

Auch zwischen Georgien und der Mongolei gehört Knorr-Bremse zu den festen Größen. Zusammen bremsen aktuell 147 KZ8A-Doppellokomotiven für Güterzüge sowie KZ4AT-Personenzuglokomotiven mit Knorr-Bremse Bremssystemen inklusive modernem Gleitschutz. Bei etwa nochmal so vielen steht die Auslieferung in den kommenden drei Jahren an. In 57 Diesellokomotiven des Typs TEP33A ließ KTŽ ebenfalls umfangreich Knorr-Bremse Produkte verbauen, konkret: die Bremssteuerung, Luftversorgungseinheiten mit ölfreien Kompressoren sowie Gleitschutz.

Von Astana aus betreuen die Teams um Managing Director Dmitry Danilenko den gesamten zentralasiatischen Raum. Die Region ist ebenfalls verantwortlich für Länder wie Armenien, Aserbaidschan, die Mongolei, Kirgisistan, Usbekistan und Georgien. „In Summe schaffen wir so mit vielfältigen Lokalisierungsmöglichkeiten ein attraktives Umfeld für unsere Kunden und stärken zugleich unsere regionale Präsenz”, sagt Danilenko.

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