Feierliche Eröffnung: Die Dorfgemeinschaft von Kongni in Westkamerun dankte gemeinsam mit einem Gesandten der Regierung Knorr-Bremse Global Care e. V. für die Errichtung der ersten Solar-Brunnenanlage des Landes.

Erster Fotovoltaik-Brunnen für Kamerun: sauberes Trinkwasser für viele tausend Menschen.

Sauberes Trinkwasser ist lebenswichtig. Bis zu 30.000 Menschen in Westkamerun werden seit 2017 damit versorgt. Möglich machte das eines der größten Mitarbeiterprojekte in der Geschichte des gemeinnützigen Vereins Knorr-Bremse Global Care e. V. : Zwei Mitarbeiter aus Münchnen ließen eine nachhaltige Brunnenanlage bauen.

„Was bleibt, ist ein unbeschreibliches Gefühl der Zufriedenheit – die viele Arbeit, die wir in unser Projekt gesteckt haben, ist fast vergessen.“ Martin Ganswindt und Romuald Kana, die beide im zentralen Qualitätsmanagement am Standort München zusammenarbeiten, sind die „Väter“ eines besonders nachhaltigen Brunnens in Kamerun. Seit 2017 liefert er zuverlässig kostbares Frischwasser; Ende 2018 fand nach einer Testphase die offizielle Einweihungsfeier statt. Romuald Kana, der vor Ort war, berichtet, wie wichtig der Brunnen für die Bewohner der ganzen Region geworden sei – und wie groß das allgemeine Interesse und die Dankbarkeit. Selbst die Regierung schickte einen Abgesandten, der in seiner Rede Knorr-Bremse und den Verantwortlichen auf Deutsch dankte. „In den Abendnachrichten aller großen Sender in Kamerun kam ein ausführlicher Bericht über unser Projekt.“

Sauberes Wasser rettet Leben

Angefangen habe alles 2013, erzählt Ganswindt. „Knorr-Bremse Global Care rief dazu auf, Projektvorschläge für den damals neuen Förderschwerpunkt WASH (Wasser, Sanitätsversorgung und Hygiene) einzureichen.“ Zufälligerweise war der Vater von Romuald Kana, der in Kamerun lebt, kurz zuvor zu Besuch in München. „Ich zeigte Martin ein paar Fotos aus seinem Dorf, Kongni, wo ich auch geboren bin“, erzählt Kana. Ganswindt zeigte sich betroffen von der Art, wie das Trinkwasser ins Dorf kam. Frauen schöpften es aus Wasserlöchern, in denen auch Wäsche gewaschen und geduscht wurde. „Die Verhältnisse sind sehr einfach – und schwierig.“ Unsauberes Trinkwasser ist in vielen Entwicklungsländern, auch in Kamerun, für lebensbedrohliche Infektionen und Durchfallerkrankungen verantwortlich und damit auch für die hohe Kindersterblichkeit. Knorr-Bremse Global Care hat sich deshalb den Bereich WASH als einen Förderschwerpunkt gewählt.

Projektantrag der beiden Kollegen für den Brunnenbau in Kamerun

So entstand die Idee, gemeinsam einen Projektantrag für einen Brunnenbau in Kongni, Westkamerun in der Nähe der Stadt Dschang einzureichen. Das Dorf verfügte über keinen öffentlichen Trinkwasserbrunnen, die öffentlichen Gebäude waren in sehr schlechtem Zustand, selbst Krankenstation, Schule, Kirche und Wohnhäuser hatten keine Wasserversorgung. Im Großraum um Kongni leben etwa 50.000 Menschen. Bei der Umsetzung sollte Kanas Vater aktiv und ehrenamtlich mithelfen, was er gern zusagte. Vor seinem Ruhestand war Kana senior als hoher Beamter verantwortlich für das Schul- und Bildungswesen der West-Provinz in Kamerun und ist zudem als Mitglied der Familie des Regionalkönigshauses Bafou sowie als eine Art Bürgermeister seines Dorfviertels eine geachtete Persönlichkeit.

Ein unschlagbares Team: Die Kollegen Romuald Kana (l.) und Martin Ganswindt, die gemeinsam im zentralen Qualitätsmanagement in München arbeiten, haben mit viel Leidenschaft und Ausdauer das Hilfsprojekt in Kamerun betreut.
Gute Abwicklung und Betreuung: Die österreichische Stiftung „Leben braucht Wasser“ kümmerte sich um Exploration, Bohrung und Inbetriebnahme. Mehr Infos unter www.lebenbrauchtwasser.org.

Suche nach einem geeigneten Kooperationspartner für den Brunnenbau

Nun ging es im nächsten Schritt darum, einen Kooperationspartner zu finden. „Das war überraschend schwierig“, sagt Martin Ganswindt. Auch die Deutsche Botschaft in Kamerun und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung konnten nicht weiterhelfen. „Schließlich haben wir monatelang Hilfsorganisationen in Europa abgeklappert – bis wir letztendlich einen Volltreffer gelandet haben.“ Die österreichische Stiftung „ Leben braucht Wasser “ wurde von einer Familie in St. Veit an der Glan gegründet, die eine Firma für Brunnenbau betreibt. Nicht nur die Erfahrung, sondern auch das Konzept überzeugte Ganswindt. „Ein Brunnen hilft nur dann nachhaltig, wenn sich vor Ort jemand darum kümmern kann und etwas von der Wartung und der Reparatur versteht.“ Diese Hilfe zur Selbsthilfe passt auch zum Konzept von Knorr-Bremse Global Care.

Der Job als Brunnenwart: Hilfe zur Selbsthilfe

„Leben braucht Wasser“ arbeitet mit der Hilfsorganisation Don Bosco zusammen, die geeignete Kandidaten für den Job als Brunnenwart auswählt, idealerweise mit handwerklichen Vorkenntnissen. In Österreich erhalten sie dann eine Grundausbildung zum Brunnenbauer und lernen viel über Wasserhygiene. Knorr-Bremse Global Care stimmte dem Projekt nach einer detaillierten Präsentation mit Ganswindt, Kana und „Leben braucht Wasser“ schließlich zu.

Einfach und robust: Die solarbetriebene Förderanlage ist wartungsarm. Vier Solarmodule oben am Förderturm treiben einen kleinen Elektromotor an. Er bewegt das Gestänge einer einfach konstruierten mechanischen Hebepumpe. Nach einer Ausbildung in Österreich kann ein Brunnenwart die Anlage überwachen und auch reparieren. Das Wasser steht in einem Vorratstank zur Verfügung, auch wenn die Sonne untergegangen ist.

Wartungsarme Technik

Die robuste Konstruktion der Pumpe ist speziell auf den Einsatz in dieser Region zugeschnitten. „Im Turm läuft ein kleiner Elektromotor, den vier Solarmodule mit Strom versorgen“, erläutert Ganswindt. „Er bewegt eine ganz einfache mechanische Hebepumpe unten im Rohr, bei der nur mal ein paar O-Ringe auszutauschen sind. Bei eventuell mit angesaugtem Sand fällt sie auch nicht gleich aus.“ Auch hatte die Stiftung Erfahrung mit den Zollformalitäten, sodass alle Teile letztlich komplett ihren Bestimmungsort erreichen. Nach der genauen Exploration des Standorts 2015 begannen 2016 die Bohrarbeiten mit einer mobilen Anlage auf einem Lkw in einer kleinen Senke. So stieß das Rohr schon in knapp 50 Meter Tiefe auf Trinkwasser sehr guter Qualität. Von einem Behälter direkt neben dem Förderturm aus leitet eine Tauchpumpe das Wasser dann rund 950 Meter weiter zu einem großen Vorratstank direkt in Kongni. Ende 2016 startete der Betrieb, 2017 wurde alles noch weiter optimiert und anschließend mehrere Monate getestet.

Sauberes Wasser durch Fotovoltaik-Brunnenanlage für bis zu 30.000 Menschen

Das Land für den Brunnen und die Leitung stellte Kana senior bereit, der es der Dorfgemeinschaft überschrieben hatte. Heute steht das Wasser dieser ersten Fotovoltaik-Brunnenanlage in Kamerun bis zu 30.000 Menschen zur Verfügung, die sich turnusmäßig hier kostenlos versorgen. „Das Projekt stieß landesweit auf großen Beifall“, sagt Romuald Kana. Martin Ganswindt war bis heute noch nicht persönlich in Kamerun. „Ich bin dankbar, dass ich helfen konnte, es war eine bereichernde Erfahrung und ein tolles Erfolgserlebnis. Aber es gibt noch viel zu tun.“

Sauberes Trinkwasser ist lebenswichtig. Bis zu 30.000 Menschen in Westkamerun werden nun damit versorgt.
Nachhaltiges Projekt: Der Förderturm des Brunnens ist zur Einweihungsfeier mit der Flagge Kameruns und einem Knorr-Bremse Logo geschmückt.
Originalbeitrag zum Bau des Brunnens in den Kameruner TV-Nachrichten. Die Regierung schickte einen Abgesandten, der in seiner Rede Knorr-Bremse und den Verantwortlichen auf Deutsch dankte.
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