Erfolg ist planbar

Märkte entwickeln sich schnell und wandeln sich im Laufe der Zeit. Die Gründe dafür sind vielfältig. Neben veränderten Anforderungen der Kunden sind es auch technologische Umbrüche, die großartige Chancen bieten und agiles Handeln erfordern. Die vier Mitglieder des Vorstands erklären, warum die Fähigkeit, sich schnell auf wandelnde Rahmenbedingungen einzustellen, der Schlüssel für den Erfolg von Knorr-Bremse ist.

Klimawandel, Pandemie und wachsender Wettbewerb – die Unsicherheiten und das Tempo von Veränderungen nehmen weltweit zu. Welche Rolle spielen Innovationen vor diesem Hintergrund für Knorr-Bremse?

Jan Mrosik: Innovationen sind heute und in Zukunft die tragende Säule unseres Geschäfts. Wir haben in der jüngeren Vergangenheit viele der branchenprägenden Innovationen in der Schienenfahrzeugindustrie und der Nutzfahrzeugbranche hervorgebracht. Das macht uns auch in Phasen des Umbruchs und der Unsicherheit stark. Denn die großen Innovationstrends spielen sich nicht innerhalb weniger Jahre ab.

Wie erkennen Sie die besten Bereiche für Innovationen?

Frank Markus Weber: Wir orientieren uns an den gesellschaftlichen Megatrends Urbanisierung, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Mobilität. Beginnen wir mit der Urbanisierung: Durch die wachsende Weltbevölkerung wird der Personen- und Güterverkehr zunehmen, besonders in den Ballungsräumen. Mobilität ist fast ein Grundbedürfnis für Menschen geworden.

Jan Mrosik: Mobilität steht heute mehr denn je in enger Verbindung mit Nachhaltigkeit. Themen wie CO2-Ausstoß, Lärm und Energieverbrauch sind eng mit der Transportbranche verknüpft. Entwicklungen im Bereich Klimaschutz spielen dabei eine entscheidende Schlüsselrolle. Der technologische Fortschritt wird Lösungen hierfür bringen, ein entscheidender Beschleuniger ist die Digitalisierung – der vierte aktuelle Megatrend.

Wie wirken sich diese Megatrends auf die Geschäftsbereiche von Knorr-Bremse aus?

Peter Laier: Im Nutzfahrzeugbereich leiten wir daraus weiterhin die vier Industrietrends Verkehrssicherheit, Konnektivität, automatisiertes Fahren und E-Mobilität bzw. Emissionsreduktion ab. Die wichtigste Neuentwicklung bezüglich Verkehrssicherheit ist unsere modulare Bremssteuerung, die Global Scalable Brake Control, an der zurzeit rund 100 Fachleute arbeiten. Sie kann individuell auf verschiedenste Marktanforderungen von ABS bis EBS angepasst werden und bildet ein zentrales Element für unsere Fahrerassistenzsysteme sowie zukünftig für das automatisierte Fahren. Einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Mobilität leistet unser unternehmensinterner Thinktank, der eCUBATOR. Dort arbeiten kreative Köpfe an neuen Systemen und Produkten für die E-Mobilität im Nutzfahrzeug.

Jürgen Wilder: Bei den Systemen für Schienenfahrzeuge ist die Erhöhung der Transportkapazität auf bestehender Infrastruktur ein entscheidender Treiber. Auch, weil Eisenbahnen, Straßenbahnen oder Metros einen wichtigen Beitrag auf dem Weg zur klimafreundlichen Mobilität leisten. Die Umrüstung von Dieselloks in E-Hybridantriebe, die bessere Ausnutzung bestehender Infrastruktur, sicheres Reisen für Passagiere in Pandemie-Zeiten – alles Lösungen, die den Schienenverkehr attraktiver und nachhaltiger machen. Und auch ein effizientes Lebenszyklusmanagement der Produkte trägt dazu bei, die Investitionen zu optimieren.

Die Erhöhung der Transportkapazität auf bestehender Infrastruktur ist entscheidend.

Trifft dieses Innovationsmanagement die Erwartungen der Investoren an Knorr-Bremse?

Frank Markus Weber: Absolut. Innovationen, die auf den ESG-Investment-Ansatz einzahlen, sind in Gesprächen besonders gefragt. Umwelt, Soziales und Unternehmensführung: Zu diesen Nachhaltigkeitsthemen fordern Investoren von uns aktive Lösungen ein und das begrüßen wir. Denn damit weisen uns die Stakeholder den Weg zu Verbesserungen, auch im Vergleich zum Wettbewerb, und somit zur erfolgreichen Weiterentwicklung unseres Unternehmens weit über die Technologie hinaus.

Haben sich während der Coronapandemie Prioritäten geändert? Wie wirkt sich Corona auf die Innovationen von Knorr-Bremse aus?

Jürgen Wilder: Die Pandemie macht deutlich, wie wichtig ein gesundes und sicheres Umfeld beim Reisen ist, um die Akzeptanz des Zugverkehrs zu erhöhen. Hier zeigen unsere optimierten Klimaanlagen und Lüftungssysteme Lösungen auf. Erwähnenswert sind in dem Zusammenhang auch unsere innovativen Türsysteme, damit es beim Ein- und Aussteigen weniger Gedränge gibt. Beides sind übrigens auch wichtige Bausteine für einen automatisierten Zugbetrieb.

Peter Laier: Die Industrietrends sind von der Pandemie weitgehend unberührt. Der Trend zum automatisierten Fahren ist insbesondere in Nordamerika und China auch aufgrund des sich seit Jahren abzeichnenden Fahrermangels ungebrochen. Der durch die Pandemie steigende Online-Handel lässt das Transportvolumen und somit auch die Nachfrage der Logistikflotten nach automatisiertem Fahren weiter anwachsen. Darüber hinaus hat das automatisierte Fahren im Nutzfahrzeug einen klaren Business Case, basierend auf den Möglichkeiten der Kostenreduktion um rund ein Drittel.

Digitalisierung ist der Hebel für Innovationen. Aus der Verknüpfung von Daten entstehen unsere neuen Angebote.

Dr. Jan Mrosik – Vorsitzender des Vorstands der Knorr-Bremse AG

Welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung?

Jan Mrosik: Sie ist der Hebel, um Innovationen zu ermöglichen und umzusetzen. Dabei setzen wir auf neue Einsatzfelder wie Cloud-Technologie und Edge-Computing – also die webbasierte Nutzung zentraler und dezentraler Speicher. Wenn wir im realen Fahrbetrieb gesammelte Daten mit den Testdaten unserer Prüfstände verknüpfen, dann entstehen daraus neue Angebote. Dem Bereich Cybersicherheit kommt dabei eine Schlüsselfunktion zu, denn digitale, intelligente Transportlösungen erfordern ein hohes Maß an Produktsicherheit. Kurz gesagt: Es kommt darauf an, unser bestehendes Portfolio mit neuen technischen Möglichkeiten zu kombinieren und weiterzuentwickeln.

Knorr-Bremse ist seit Jahrzehnten unangefochtener Technologieführer der Branche. Wie lässt sich diese Spitzenposition über so lange Zeit halten?

Frank Markus Weber: Die Zuverlässigkeit und Qualität unserer Produkte sind das Ergebnis stringenter Innovationsprozesse, jahrelanger Entwicklungsarbeit und strenger Praxistests. Dreieinhalbtausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter forschen und entwickeln auf vier Kontinenten für Knorr-Bremse in hochmodernen Entwicklungszentren und -abteilungen. Damit sind wir nah an unseren Kunden und kennen die regionalen Gesetze und Vorschriften genau – was für sicherheitsrelevante Produkte wie Bremssysteme entscheidend ist. Unsere Entwicklungen sichern wir mit derzeit rund 11.000 erteilten und angemeldeten Patenten ab.

Welche Rolle spielen kreative Köpfe in einem innovativen Unternehmen?

Jan Mrosik: Sie sind unabdingbar für unseren Erfolg. Wichtig ist aber nicht nur die einzelne Person mit ihren Talenten, sondern auch die Vielfalt der Menschen. Diese Diversität stärkt unsere Kreativität und unseren Erfindungsgeist. Beides ist eine wesentliche Voraussetzung, um Vorhandenes loszulassen und neue Trends mutig zu gestalten – so wie zum Beispiel die digitale Transformation.

Innovationen kosten viel Geld, den Erfolg sieht man nicht sofort und das macht sie riskant. Was passiert, wenn bei Ihnen eine Innovation mal nicht den erhofften Erfolg bringt?

Frank Markus Weber: Wir investieren jedes Jahr etwa sechs Prozent des Umsatzes in unsere Innovationskraft. Dieses Geld lässt sich nicht immer komplett in marktfähige Produkte umsetzen. Eine gewisse Offenheit, Pioniergeist und Kreativität sind nötig, um neue Wege zu gehen. Da wir aber überwiegend mit unseren Kunden gemeinsam Lösungen entwickeln, haben wir meist konkrete Anwendungsziele vor Augen.

Wir investieren jedes Jahr sechs Prozent des Umsatzes in die Innovationskraft.

Frank Markus Weber – Finanzvorstand (CFO)

Welche Innovationen aus beiden Divisionen werden wir in naher Zukunft sehen?

Jürgen Wilder: Ein wichtiges Innovationsprojekt bei den Systemen für Schienenfahrzeuge ist der reproduzierbare Bremsweg. Es zielt darauf ab, die Streuung der Bremsweglängen aufgrund unterschiedlicher Umwelt- und Witterungsbedingungen und technischer Voraussetzungen deutlich zu verringern. Damit können wir bei gleichem Sicherheitslevel Zugabstände reduzieren, den Betriebsablauf bei bereits engen Taktzeiten weiter stabilisieren und somit die bestehende Infrastruktur besser auslasten. Im Bereich Digitalisierung haben wir ein Cybersicherheitssystem als umfassenden Schutzschirm aller digitalen Anwendungen entwickelt. Das überwacht und analysiert den Datenverkehr in allen elektronischen Systemen und schlägt gegebenenfalls Alarm.

Peter Laier: Neben der Bremse ist die Lenkung der zweite wesentliche Aktuator für die Beherrschung der Fahrdynamik. Diese Lenkungskompetenz inklusive der Überlagerungslenkung haben wir uns in den letzten Jahren durch eine „String of Pearls“-Akquisitionsstrategie angeeignet. Somit können wir als Systemanbieter für die Fahrdynamik im Nutzfahrzeug eine wesentliche Rolle bei dem sich verstärkenden Trend hin zu Fahrerassistenzsystemen als auch bei den sich abzeichnenden Kooperationen hinsichtlich des automatisierten Fahrens spielen. Zudem stehen in den nächsten Jahren die Markteinführung neuer Ein- und Zweistempel Scheibenbremsen-Generationen mit neuen Dimensionen bei Leistung und Gewicht sowie die Erweiterung unseres Kompressor-Portfolios für die E-Mobilität an.

Wie sehen die nächsten Schritte beim automatisierten Fahren aus?

Peter Laier: Auf dem Weg zum automatisierten Fahren spielt die Weiterentwicklung der Fahrerassistenzsysteme mit neuen Funktionen eine wichtige Rolle. Neben dem Abbiege- und dem Spurhalteassistenten entwickeln wir zurzeit Manövrierhilfen wie eine Assistenzfunktion für das Fahren an die Verladerampe. Automatisiertes Fahren wird voraussichtlich zuerst bei Nutzfahrzeugen im sogenannten Hub-to-Hub-Verkehr zur Anwendung kommen, also auf festen Routen zwischen zwei Logistikzentren sowie in nicht-öffentlichen Bereichen wie Häfen oder Minen.

Einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Mobilität leistet unser Thinktank, der eCUBATOR.

Jürgen Wilder: Dass der automatisierte Eisenbahnbetrieb kommen wird, gilt als sicher. Deshalb spielt der Sicherheitsaspekt eine besondere Rolle. Wir werden den Herstellern Teilsysteme anbieten, um den autonomen Betrieb sicher zu gestalten. Zusammen mit dem israelischen Startup Rail Vision integrieren wir in unsere Lösungen leistungsfähige Umfelderkennungssysteme, die auf Kameras und softwaregestützter Objekterkennung basieren.

Jan Mrosik: Diese Beispiele zeigen, wie wichtig es ist, eine breite Basis für künftige Innovation zu haben. Für Knorr-Bremse steht fest, dass wir auf unsere eigenen Stärken vertrauen – aber auch Kooperationen eingehen, um gemeinsam noch innovativer zu sein. Ich bin mir sicher, dass wir allen Grund haben, optimistisch in die Zukunft zu blicken.

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